Sonntag, 14. März 2010

Google zeigt Rückgrat


Google poliert sein Image

Google geht es bei den Drohungen gegenüber China nicht allein um das freie Wort im Netz
Google zeigt Rückgrat gegenüber Peking und erhält dafür mächtig Applaus. Vor allem in den USA erfährt der Internet-Riese viel Zustimmung für seine Ankündigung, sich nicht länger Chinas Zensurbestimmungen beugen zu wollen und dafür notfalls auch den Rückzug vom boomenden Internetmarkt im Reich der Mitte in Kauf zu nehmen.
Selbst die US-Politik schlug sich schnell auf Googles Seite. Außenministerin Hillary Clinton mahnte in Peking Aufklärung für die Vorwürfe an, systematisch E-Mail-Konten chinesischer Regimegegner auf Googles Mailservern auszuspionieren. Nach Googles Motiven für den überraschenden Schritt fragten indes die wenigsten.
Es geht längst nicht allein um das freie Wort im weltweiten Netz. Sonst hätte sich Google von vornherein nicht in China engagieren dürfen. Googles bis dahin so strahlendes Image hatte schweren Schaden genommen, als sich der Webkonzern (Leitmotiv: "Tue nichts Böses") bei seinem China-Start 2006 den restriktiven Zensurbestimmungen im Reich der Mitte unterwarf. Was Peking politisch nicht passt, filterte Google auf google.cn seither heraus.
Doch die Umsätze in China blieben wohl weit hinter den Erwartungen zurück, um die Delle im Image weiter in Kauf zu nehmen. Gerade 300 Millionen Dollar setzt Google in China mit seinen 700 Beschäftigten um – das ist, gemessen an den Milliardenumsätzen, an die Google gewöhnt ist, kein Betrag, der das wertvollste Unternehmen der Welt im Bestand gefährdet. Statt dessen sah Google wohl jetzt eine gute Gelegenheit, das angekratzte Image zu reparieren, zumal sich das Unternehmen vor allem im Westen wegen seiner ausgeprägten Datensammelwut immer schärferen Vorwürfen ausgesetzt sieht.
Künftig vielleicht nicht mehr in China mit seinen rund 340 Millionen Internet-Nutzern präsent zu sein, ist für das Unternehmen zwar nicht ohne Risiko, wenn Chinas Konsumenten ihre Marktmacht und die Lust am Konsum erst richtig entdecken. Kein globales Unternehmen kann es sich leisten, diesen lukrativen Markt links liegen zu lassen. Doch Google lebt mehr als andere Unternehmen vom Vertrauen seiner Kunden. Und sich mit China anzulegen, was selbst die US-Regierung nicht mehr wagt, nimmt der wachsenden Kritikerschar viel Wind aus den Segeln.
Im Streit mit China schlüpft Google in die Rolle des Guten, der für unzensierten Datenaustausch eintritt und damit ein gutes Geschäft macht. Man darf davon ausgehen, dass auch Google am Dialog mit Peking weiter interessiert ist. In den USA verstärkt sich nun der Druck auf andere Internet-Unternehmen, etwa Yahoo und Microsoft, Googles Beispiel zu folgen. Die ersten Reaktionen freilich zeigen: Die Neigung dazu ist gering. Einmal mehr hat Google die Konkurrenz im Silicon Valley auf dem falschen Fuß erwischt.
Microsoft bleibt China treu und zensiert ohne Skrupel weiter Suchergebnisse, daher ein Dank an Google

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